Robot Valley Saxony

Dresden profiliert sich 2020 als Robotik-Hochburg.

Die Robotik ergänze sehr gut die bisher gesetzten Schwerpunkte Dresdens als Herz des „Silicon Saxony“, wo sich bereits Chip- und Softwareschmieden konzentrieren. Technologiekern könnte für innovative Schwerpunkte in Roboter-Technologie sorgen. In und um Dresden haben sich inzwischen zahlreiche Unternehmen angesiedelt, die auf die eine oder andere Weise mit Robotik zu tun haben. Im Zusammenspiel mit der starken Mikroelektronik, dem Maschinenbau und der Softwareindustrie am Standort könne die sächsische Landeshauptstadt eigene Akzente in den Robotertechnologien setzen. Bereits jetzt bringen Dresdner Robotikunternehmen und -Forschungseinrichtungen international vielbeachtete Innovationen hervor. Dazu tragen universitäre Ausgründungen und zugezogene Robotikfirmen ebenso bei wie gewachsene Automatisierungsunternehmen und einzigartige Exzellenzcluster. Eine Studie über die Wirtschaftskraft der noch jungen Robotik-Branche in und um Dresden liegt noch nicht vor. Schätzungsweise sind hier aber bereits weit über 1000 Menschen in Dutzenden Unternehmen und Instituten mit Robotikprojekten beschäftigt, die mit Komplettlösungen, Roboter-Software, roboterbasierter Automatisierungstechnik und dergleichen mehr Millionenumsätze generieren. Zunächst wollen die Wirtschaftsförderer die Robotik als ein Modul im Dresdner Technologienetzwerk „Smart System Hub“ fördern. Künftige Instituts-Ausgründungen und ansiedlungswillige Robotik-Firmen sollen Büros, Technika und Bauflächen in den „Universellen Werken Dresden“ (UWD) und im entstehenden Wissenschaftspark Ost an der Reicker Straße bekommen. Wachsen soll aus all dem letztlich eine leistungsstarke und komplexe eigene Roboterindustrie in Dresden, die möglichst viele Wertschöpfungsstufen umfasst, für neue Jobs und zusätzliche Steuereinnahmen sorgt. „Unser Ziel ist eine eigene Roboterfertigung“, sagte Franke. Ähnliche Ziele verfolgt übrigens die Roboter-Professorin Ulrike Thomas von der TU Chemnitz: Sie möchte eigene Hersteller für „fühlende“ Roboter und für Schreitroboter in Sachsen etablieren. Auch Prof. Welf-Guntram Drossel, der Direktor des einflussreichen Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik (IWU) in Chemnitz, sieht in dieser technologischen Orientierung viel Wachstumspotenzial: „Roboter sind wie ein Nukleus, in den viele Hochtechnologien einfließen, inklusive der künstlichen Intelligenz“, unterstreicht er. „Gerade hier in Dresden haben wir die Chance, sowohl Software wie auch hochzuverlässige Chips für neuartige Roboter herzustellen.“ Dabei könne der Standort mit seiner geballten Forschungs-, Mikroelektronik- und Softwarekraft innovative Robotik-Lösungen hervorbringen, die die gesamte Industrie umkrempeln. Gerade Corona habe gezeigt, wie wichtig eine neue, krisenfestere und flexiblere Art des Produzierens in Deutschland und Europa sei: „Wir brauchen Maschinen, Roboter und Fabriken, die zusammengebrochene Lieferketten und kranke Mitarbeiter schnell ausgleichen können“, erklärte der Fraunhofer-Experte. Wenn beispielsweise – wie jüngst erst durch die Covid-19-Pandemie – ganze Industrieregionen als Zulieferer ausfallen, müssen künftige Roboter und Anlagen eben imstande sein, binnen Minuten über Tausende Kilometer Entfernung von einer anderen Maschine in China oder Norditalien zu lernen, wie sie das benötigte Bauteil selbst hier in Deutschland herstellen können. Und eben solche bahnbrechenden Konzepte treiben Forscher und Ingenieure konzentriert in Dresden voran: Die Uni-Ausgründung „Wandelbots“ in Dresden beispielsweise entwickelt Sensorjacken und -stifte, mit denen jeder Facharbeiter ohne jegliche Programmierkenntnisse in seinem Betrieb einen Roboter für eine neue Arbeit anlernen kann. Dadurch soll der Robotereinsatz so billig und einfach werden, dass sich künftig jede kleine Hinterhofwerkstatt einen Roboter leisten kann. Um diesen Trend hin zum Masseneinsatz zu fördern, haben hiesige Roboterexperten und -expertinnen im Sommer 2020 eine Allianz „Robovalley Dresden“ gegründet. Ihr Ziel: „Wir wollen die kleinen und mittelständischen Unternehmen inspirieren, neue Technologien zu nutzen, wie zum Beispiel roboterbasierte Automatisierungslösungen, mit denen Menschen und Roboter im gleichen Arbeitsumfeld gemeinsam Aufgaben erledigen können“, informierte Allianz-Koordinator Prof. Steffen Ihlenfeldt vom neuen Fraunhofer-Zentrum für „Cyberphysikalische Produktionssysteme“ (CPPS) in Dresden. „Unsere Allianz wird dafür sorgen, dass Robotik langfristig ein Aushängeschild für den Standort Dresden sein wird.“ Und noch einige Jahre weiter denken bereits die Ingenieure und Forscher im TU-Exzellenzzentrum „Ceti“: Sie wollen Fähigkeiten wie Präzisionsmontage, Klavierspielen oder Kuchenbacken zwischen Menschen und Maschinen beliebig hin- und her übertragbar machen, so dass das einmal errungene Können eines Meisters – sei er Mensch oder Roboter – niemals wieder verloren geht. „So, wie das Internet nahezu alles Wissen allen zugänglich gemacht, also das Wissen demokratisiert hat, wollen wir die Fähigkeiten demokratisieren“, erklärt das Ceti-Sprecher Prof. Frank Fitzek. Und die Liste der Akteure im wachsenden „Robot Valley Dresden“ ließe sich noch lang fortsetzen: Xenon und Fabmatics aus Dresden beispielsweise gelten als Top-Experten für die robotergestützte Nachautomatisierung großer Fabriken. Auftragsspitzen und vermehrte Krankenstände wiederum soll der gemeinsam mit Fraunhofer entwickelte „Robo-Operator“ von „Industrie-Partner“ aus Coswig auffangen: Diesen Roboter kann man an Werkzeugmaschinen heranrollen und dann übernimmt er nach kurzer Anlernzeit die Nachtschicht für den fehlenden menschlichen Kollegen. Volkswagen, Infineon, Globalfoundries, aber auch die Hightech-Chirurgen im Uniklinikum sind wiederum wichtige Anwender von Robotertechnik in Dresden. Das Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW) Dresden wiederum hat die weltweit kleinsten Medizin-Roboter mit steuerbarem Raketenantrieb entwickelt. Das Barkhausen-Institut will Robotern, die direkt mit und neben Menschen arbeiten, zuverlässiger machen. „Trustworthiness fort he tactile Internet of Things“ nennt sich diese Forschungseinrichtung offiziell, aber Institutsgründer Prof. Gerhard Fettweis hat auch eine besser verständliche Übersetzung mit einem Augenzwinkern parat: „Wir verhindern, dass die Roboter plötzlich anfangen, den Menschen Ohrfeigen zu verpassen.“ oiger.de