Morpheus Space

Das Dresdner Unternehmen "Morpheus Space" baut die weltweit kleinsten Antriebe für Satelliten. Für ihre Firma suchten die Gründer zuletzt Kapitalgeber. Eingestiegen ist dann unter anderem die Investmentgesellschaft "In-Q-Tel", die wiederum vom US-Geheimdienst CIA finanziert wird.

CIA-Investmentarm steigt bei Morpheus Space in Dresden ein

Der Investmentarm des US-Geheimdienstes CIA, In-Q-Tel, steigt 2020 beim Dresdner Start-up Morpheus Space ein. Das bestätigt Morpheus Space gegenüber der WirtschaftsWoche. Es ist die dritte Beteiligung des CIA-Fonds in Deutschland. Auch beruft Morpheus, das Ionentriebwerke für Satelliten entwickelt, Richard V. Spencer ins Direktorium. Der Republikaner war bis Ende 2019 unter US-Präsident Donald Trump Marineminister und im Juli 2019 interimsweise auch US-Verteidigungsminister. Er gab sein Amt als Marineminister auf, nachdem er sich mit Trump überworfen hatte. An der Finanzierungsrunde bei Morpheus beteiligen sich neben In-Q-Tel auch der auf Sicherheitstechnologie spezialisierte US-Investor Pallas Ventures sowie aus Europa Airbus Ventures und als Syndikatsführer Vsquared Ventures. US-Behörden werben gezielt deutsche Weltraum-Start-ups ab. Es droht ein Ausverkauf von Technologie, die aus hiesiger Spitzenforschung entstanden ist. Den chinesischen Abwerbeversuch des deutschen Hightech-Start-ups Mynaric stoppte Berlin gerade erst. Dabei sind die USA hier das größere Problem. Denn US-Behörden werben gezielt deutsche Weltraum-Start-ups ab.

Das Weltall ist zwar unendlich, aber rund um die Erde wird es langsam eng. Denn immer mehr Staaten, Universitäten und Unternehmen schicken Satelliten in die Umlaufbahn. Damit sie sich dort bewegen können, hat die Dresdner Firma "Morpheus Space" Antriebe entwickelt. In einem Imagevideo sagt Gründer Daniel Bock, es seien die kleinsten Satellitenantriebe der Welt. "Wir sorgen dafür, dass Satelliten ausweichen können, um potenzielle Kollisionen zu vermeiden. Und wir vermeiden auch Weltraumschrott, indem wir die Satelliten nach dem Ende ihrer Mission sicher in der Erdatmosphäre verglühen lassen. Dank unseres Antriebs."

Technologie nicht vor ausländischen Investoren geschützt

Die Dresdner haben im Sommer den Sächsischen Gründerpreis erhalten: 10.000 Euro. Doch um zu wachsen, braucht es mehr. Und so suchten sich die Gründer in diesem Jahr gleich sechs Risikokapitalgeber. Unter ihnen ist auch "In-Q-Tel", eine amerikanische Beteiligungsgesellschaft. Sie bekommt ihr Geld direkt vom Geheimdienst CIA.

Bei Nico Brünler, dem wirtschaftspolitischen Sprecher der Linken im Sächsischen Landtag, sorgt das für ein Stirnrunzeln. "Das riecht schon nach Problem", sagt er.

Brünler wünscht sich, dass sich der Freistaat Sachsen selbst an innovativen Firmen beteiligt. Eine komplette Übernahme durch ausländische Geldgeber müsse Deutschland stärker als bisher von einer Genehmigung abhängig machen – zumindest in bestimmten Branchen. "Ein solcher Verkauf darf nur zustande kommen, wenn der Staat dem auch zustimmt." Doch bei "Morpheus Space" ist es ja noch nicht so weit. "In-Q-Tel" ist nur ein Investor von sechs – und unter denen nicht der größte.

Trotzdem entsteht der Eindruck, dass die Amerikaner bei "Morpheus Space" schon mitentscheiden. Denn die Dresdner Entwickler haben Richard Vaughn Spencer in ihren Vorstand berufen. Spencer war mal Marineminister unter Donald Trump.

Geschäftsführer Daniel Bock sagt, man schätze ihn aber aus anderen Gründen: "Spencer bringt einen enormen Erfahrungsschatz und ein weitreichendes Netzwerk mit sich. Vor seiner politischen Karriere hat er für drei Jahrzehnte die Wall Street mitgeprägt und erfolgreich Börsengänge von heutigen Weltkonzernen vorbereitet und durchgeführt."

Dass sich Amerikaner für deutsche Weltraumtechnik interessieren, ist nicht ungewöhnlich. Der Bundesverband der Deutschen Industrie hat mehrere vergleichbare Fälle registriert. Matthias Wachter leitet die Abteilung für Sicherheit und Rohstoffe. Er sagt, eine Beteiligung ausländischer Geldgeber an den Firmen sei kein Problem. Und doch solle Deutschland darauf achten, die Firmen im Land zu halten. Dafür würde es helfen, wenn der Staat selbst hin und wieder Weltraumtechnik bei ihnen kaufen würde.

Der Staat sollte verstärkt als Ankerkunde für junge Unternehmen auftreten. Und nicht wie bisher über kurzfristige Forschungsförderung oder Projektförderung versuchen, die Unternehmen zu unterstützen.

Matthias Wachter, Bundesverband der Deutschen Industrie, würde auch eine "deutsche Startplattform für kleine Trägerraketen in der Nordsee" begrüßen. Davon, sagt Wachter, würden alle profitieren, die sich in Deutschland mit Weltraumtechnik beschäftigen. Bislang säßen potenzielle Partner und Kunden vor allem in den USA und in China. Deswegen würden vermehrt auch Risikokapitalgeber aus diesen Ländern bei deutschen Weltraum-Startups einsteigen.