Hightex

Klipphausen

2021 rettet uns, dass wir in den vergangenen Jahren in zusätzliche Geschäftsfelder investiert, neue Hallen mit hochautomatisierter Produktion und Robotern gebaut und dennoch Rücklagen gebildet haben. „Inzwischen sind wir viel breiter als vorher aufgestellt.“ Diese Diversifizierung sorge dafür, dass die Hightexer nicht den Mut verlieren und trotz drastischer Corona-Auftragsrückgänge und einem um 40 Prozent geschrumpften Umsatz noch zuversichtlich in die Zukunft schauen. Es begann mit der Faserausrichtung im Polymerinstitut. Das ist gar nicht so selbstverständlich, denn anfangs war das Unternehmen sehr auf die Luftfahrt fokussiert, die jetzt schwächelt. 1998 hatte sich Horst Rothe vom Institut für Polymerforschung Dresden selbstständig gemacht und die Hightex Verstärkungsstrukturen GmbH gegründet, damals noch in der Landeshauptstadt Dresden. Zunächst stickte, fixierte und verfestigte das junge Unternehmen Kunststofffasern auf einem Basismaterial zu besonders leichten und doch sehr beanspruchbaren Flugzeug-Bauteilen. Bei dieser Dresdner Innovation, die sich unter dem Namen „Tailored Fibre Placement“ (TFP) in der Fachwelt einbürgerte, blieb es aber nicht: Eigenentwickelte Maschinen erschlossen dem Unternehmen mehr Verarbeitungstechnologien. Der Umzug 2007 nach Klipphausen verschaffte Hightex auch Expansionsmöglichkeiten. Das Industrie-4.0-Know-how sowie die Erfahrungen mit der Luftfahrtindustrie überzeugten mehr und mehr Kunden aus ganz anderen Branchen: BMW platzierte Großaufträge für seine Elektroautos i3 und i20 in Klipphausen. Und die europäische Raumfahrtindustrie wünschte sich Hightex-Bauteile für die „Ariane 6“-Rakete. Normalerweise verteilen sich die Umsätze inzwischen fast gleichmäßig auf Leichtbauteile für den Automobilsektor, Luft- und Raumfahrt sowie die allgemeine Industrie – wenn nicht gerade ein Virus wütet. „Wir rechnen damit, dass sich der Flugzeugbau erst 2022 wieder erholt“, sagt Feltin mit Blick auf die jüngsten Corona-Dellen in den Auftragsbüchern. Immerhin haben die Sachsen wenigstens bis 2028 die BMW-Aufträge sicher, zudem könnte bald auch der Raumfahrtsektor anspringen. Irgendwie, so meint Scherf, werde das Unternehmen durch die aktuelle schwierige Phase hindurchnavigieren – damit habe sie schon Erfahrung. Hightex kann dabei mit Pfunden wuchern, die viel mit Forschergeist, Flexibilität und lokalen Standortvorteilen zu tun haben. Außerdem haben wir eine Top-Forschung an den Unis und den Fraunhofer-Instituten in Dresden und Chemnitz. Dadurch entdecken wir auch junge Ingenieure für uns: Wir betreuen Diplomarbeiten und Belegarbeiten von Studenten, die später vielleicht einmal bei uns arbeiten.“ Hinzu komme die enge Kooperation mit vielen Verbänden und Partnerunternehmen.